"Femizidenz" von Michael Ahlsdorf ist ein satirisch-ironischer Gesellschaftsroman aus Berlin, der mehrere lose verknüpfte Lebensläufe zusammenführt und dabei mit einem Kriminalfall sowie - augenzwinkernd - einem Kochrezept endet. Jedes Kapitel eröffnet mit literarischen oder popkulturellen Zitaten (u. a. Thomas Mann, Dostojewski, Arthur Conan Doyle, Sophokles, Sting, Phil Collins), die den jeweiligen Abschnitt kommentieren.
Im Zentrum stehen der in Modellbau und Musik versunkene Familienvater Rüdiger, die karriereorientierte Rundfunkredakteurin Mira Schüttler, ihr kinderloser Bekannter Robert, der durchschnittliche Ingenieur Gerd sowie das Ehepaar Peter und Regina Druck. Während die einzelnen Figuren mit Eifersucht, Familienalltag, beruflichem Ehrgeiz und Sinnsuche ringen, radikalisiert sich Robert zunehmend in misogyner Gedankenwelt und tötet schließlich die Rundfunk-Kollegin Gabriele Schmidtbauer. Kriminalkommissar Peter Druck ermittelt in dem Fall, ohne eine Spur zu finden - die Tat bleibt formal ungeklärt. Der Roman endet mit einem fiktiven Rundfunkbeitrag Miras zum Antigone-Mythos, in dem sie Gewalt gegen Frauen als jahrtausendealtes Phänomen deutet, bevor die Erzählung ironisch in die Ankündigung einer Kochsendung überleitet.