Ein junger Mann mietet sich in einem Privathaus einer fremden, ungenannten Stadt ein. In seinem Zimmer steht ein alter Kleiderschrank, der bald eine eigentümliche Bedeutung für ihn gewinnt. Nacht für Nacht scheint sich mit ihm eine verborgene Welt zu öffnen: Eine geheimnisvolle junge Frau tritt in sein Leben und erzählt ihm Geschichten, deren Zauber ihn immer stärker gefangen nimmt. Zwischen Wirklichkeit, Traum und Sehnsucht entfaltet Thomas Mann eine rätselhafte Erzählung über Einsamkeit, Verführung und die Macht der Fantasie. Der Kleiderschrank wird zum Übergang in eine andere Sphäre - und zu einem Sinnbild für den Wunsch, der nüchternen Realität zu entkommen. In dichter, schwebender Sprache zeigt sich bereits Thomas Manns frühes Interesse an Grenzerfahrungen, Illusionen und der fragilen Beziehung zwischen Kunst und Leben. Der Kleiderschrank ist eine geheimnisvolle Erzählung über die Verlockung des Unwirklichen - atmosphärisch, poetisch und von leiser Melancholie geprägt.